9. Februar 2007

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"ifa" fördert deutsche Minderheit in Rumänien

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ist die älteste Mittlerorganisation des Auswärtigen Amtes. Seit Ende der achtziger Jahre fördert es im Auftrag des Auswärtigen Amtes auch die Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa sowie in den GUS-Staaten. Über die Arbeit des ifa in Rumänien sprach Laura Schuppert mit dem Leiter des Referats Integration und Medien, Urban Beckmann.
Was macht das ifa in Rumänien genau?

Wir entsenden nach Rumänien zurzeit zwei Redakteure, die bei der Hermannstädter Zeitung und bei der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien arbeiten, und fünf Mitarbeiter, die als Kulturmanager tätig sind. Außerdem haben wir zwei Kindergarten-Fachberaterinnen. Diese neun Mitarbeiter werden von einer Regionalkoordinatorin in Hermannstadt geleitet. Darüber hinaus können Institutionen der deutschen Minderheit bei uns Projektmittel für ihre Medien-, Kultur- und Bildungsarbeit beantragen. Schließlich unterstützen wir auch einige Projekte aus dem Stabilitätspakt für Südosteuropa: z.B. das „Interethnische Begegnungszentrum“ in Schäßburg und das „Funkforum“, einen Verbund von deutschsprachigen Radioredaktionen in Rumänien, Serbien, Kroatien und Ungarn.

Ist die Arbeit in einem Land wie Rumänien schwieriger?

In Deutschland ist man traditionell sehr offen und direkt, gerade in der Projektarbeit. Im osteuropäischen Ausland ist das oft anders. Es fällt den Menschen dort schwerer, eigene Vorstellungen und Wünsche zu haben und vor allem diese auch zu äußern. Meist fehlt es an Zielsetzungen, Kritik wird selten angebracht. Zum Teil liegt das sicherlich auch daran, dass man jahrzehntelang in einer Diktatur gelebt hat. Die Minderheiten denken eher an ihre Bedürfnisse und Ängste, weniger an ihre Potentiale: Sie sehen, dass sie in den letzten 20 Jahren 80 Prozent ihrer Bevölkerungsgruppe eingebüßt haben und befürchten, dass das weiterhin passiert. Dabei verlieren sie oft den Blick für ihre Chancen, die darin liegen, dass sie eben vor Ort sind, dass sie Deutsche sind, dass sie eine Brückenfunktion zwischen zwei Staaten und Völkern einnehmen können, als Dialogzentrum fungieren können.

Macht Sie ein Projekt in Rumänien besonders stolz?

Ich bin mit allen Projekten sehr zufrieden. Das Endsendeprogramm ist hervorragend. Auch das Deutsche Staatstheater in Temeswar (DSTT) ist wirklich sehr, sehr gut. Sie machen sehr innovatives Theater auf deutsch und räumen mittlerweile regelmäßig die höchsten Theaterpreise im Land ab. Es gilt als Trendsetter in der rumänischen Theaterszene – und das kommt auch dem Ansehen Deutschlands und der deutschen Sprache zu Gute.

Hat das ifa neue Ziele und Projekte?

Wir arbeiten ständig an Verbesserungen und Neuerungen, aber die Minderheitenförderung wird mittelfristig eingestellt werden. Sie war ursprünglich als Soforthilfe gedacht, um die „Kriegsfolgen zu lindern“, unter denen besonders die Deutschen im Osten gelitten haben. Nach 18 Jahren kann man nicht mehr von Soforthilfe sprechen. Ich denke, dass es in den nächsten Jahren für Verbände der Minderheiten stark darauf ankommen wird, sich zu öffnen und sich neue Ziele zu setzen. Zu schauen, was haben wir in unserem Portfolio: Reicht es, wenn wir unser Brauchtum pflegen und uns zu den kirchlichen und traditionellen Festen präsentieren und ansonsten im abgeschlossenen Zirkel unsere deutsche Sprache pflegen, oder kann man mehr machen. Und da sind die Potentiale bei weitem nicht ausgeschöpft.

Glauben Sie, dass der EU-Beitritt für die deutsche Minderheit von Vorteil ist?

Abgesehen von den Vorteilen, die alle rumänischen Staatsbürger bekommen werden, gibt es keine besonderen für die deutsche Minderheit. Nach Aussagen verschiedener Stellen, haben die Minderheiten nach dem EU-Beitritt Zugang zu EU-Geldern und bräuchten daher keine deutschen Zuwendungen mehr. Das stimmt aber so nicht: Denn es gibt keine speziellen „Minderheiten-Fördermittel“ der EU. Es gibt Regionalfonds, Sozialstrukturfonds, da kann sich die Minderheit zwar beteiligen, aber es sind nicht explizit Mittel, die diese künftigen Löcher füllen würden. Deswegen müssen auch Eigeninitiative und Kooperationsfähigkeit besonders in Gang gebracht werden.

Herr Beckmann, wir danken für das Gespräch.

Schlagwörter: Interview, Medien, EU, deutsch-rumänische Beziehungen, Kulturförderung

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