13. Mai 2019

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NRW-Heimatministerin Scharrenbach stellt neu geschaffenen „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“ vor

2020 soll der „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“ zum ersten Mal verliehen werden. Damit setzt Nordrhein-Westfalen ein starkes Signal, die 1957 übernommene Patenschaft für den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland auch in Zukunft aktiv fortentwickeln zu wollen. Den Preis vergibt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes NRW, das seit Juni 2017 Ina Scharrenbach leitet. Die 42-jährige CDU-Politikerin äußert sich im nachfolgenden Gespräch mit Christian Schoger über die Entstehungshintergründe und Vergabekriterien der neuen Auszeichnung, die NRW-Heimatministerin Scharrenbach als „unser Beitrag zur Stärkung unserer gemeinsamen Bande“ einstuft.
Frau Ministerin Scharrenbach, Ihre Ankündigung, in Nordrhein-Westfalen, dem Patenland unseres Verbandes, den Heimat-Preis für die Siebenbürger Sachsen einzuführen, hat in unseren landsmannschaftlichen Kreisen für positive Resonanz gesorgt, aber auch ein großes Informationsbedürfnis ausgelöst.

Es freut mich sehr, dass der „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“ auf große Zustimmung stößt. Damit wollen wir die über 60 Jahre bestehende Patenschaft zur Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen mit neuem Leben füllen.


Wie kam es zu dieser erfreulichen Entscheidung?

Die Idee für den Heimat-Preis für die Siebenbürger Sachsen wurde bei der 60-jährigen Jubiläumsfeier der Patenschaft 2017 im Landtag Nordrhein-Westfalen geboren - Sie selbst sind im positiven Sinne „schuld“, denn: Ein Siebenbürger Sachse hatte mir den Vorschlag gemacht, nach dem Vorbild des Landes Niedersachsen, das den Kulturpreis Schlesien eingeführt hat, in Nordrhein-Westfalen eine entsprechende Ehrung für die Siebenbürger auszuloben. Diese Idee fand ich spannend, wir haben es geprüft, Gespräche mit Ihrer Landsmannschaft geführt und nun ist es so weit: Der „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“ kann an den Start gehen.


Würden Sie uns bitte die wesentlichen Vergabekriterien erläutern?

Die Landesregierung will mit der Verleihung des Heimat-Preises für die Siebenbürger Sachsen zur gemeinsamen Pflege und Weiterentwicklung des Kulturguts der Siebenbürger Sachsen in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Literatur beitragen. Außerdem soll der Heimat-Preis aktuelle Initiativen der Siebenbürger Sachsen zur Gestaltung unserer gemeinsamen Heimat würdigen und die Verbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Siebenbürgen stärken. Ina Scharrenbach leitet das Ministerium für ...Ina Scharrenbach leitet das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen seit Juni 2017. Bildquelle: F. Berger / MHKBG 2017 Der Heimat-Preis soll engagierte Menschen aus Nordrhein-Westfalen und Siebenbürgen ehren, die durch ihre Herkunft oder ihr Schaffen zur europäischen Kulturlandschaft Siebenbürgen oder ihrer Pflege in Nordrhein-Westfalen einen Beitrag geleistet haben. Mit dem Heimat-Preis wollen wir als Landesregierung unsere Wertschätzung gegenüber der Leistung der Siebenbürger Sachsen zum Ausdruck bringen und gleichzeitig das uns verbindende Band stärken. Die Ehrung ist damit auch ein Preis der Begegnung und des Zusammenhalts zwischen alter Heimat und neuer Heimat.


Wann und an wen soll die Auszeichnung verliehen werden?

Der „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“ wird alle zwei Jahre durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen vergeben. Der Preis wird erstmalig im Jahr 2020 verliehen. Preisträgerinnen und Preisträger können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, Kulturschaffende oder ehrenamtlich für die Heimat tätige Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen sein, die entweder selbst aus Siebenbürgen stammen oder deren Werk Bezüge zu Siebenbürgen aufweist. Es können ebenso Menschen geehrt werden, die in Siebenbürgen wohnen und den Preis für hervorragende Leistungen auf den genannten Gebieten erhalten. Außerdem kann der Preis für besondere Verdienste um die Erhaltung, Weiterentwicklung und Verbreitung des Kulturguts der Siebenbürger Sachsen vergeben werden. Dabei kann es sich um ehrenamtliches, aber auch um unternehmerisches Engagement handeln.


Ein weit gefasstes Auswahlreservoir. Wie hoch wird die Preisdotierung sein?

Die Dotierung des Preises beträgt insgesamt 12 500 Euro. Eine Abstufung der Preisgelder unter den Erstplatzierten oder ein zusätzlicher Förderpreis sind möglich. Über die Verteilung und Höhe der einzelnen Preisgelder wird unter Einbeziehung einer ehrenamtlichen Jury entschieden, in der Vertreterinnen und Vertreter der Siebenbürger Sachsen prominent vertreten sind.

Siebenbürger Sachsen haben NRW engagiert mitgestaltet

Ministerpräsident Armin Laschet hat beim letztjährigen Heimattag in Dinkelsbühl bekräftigt, dass die Landesregierung die Patenschaft viel stärker als bisher wahrnehmen wolle. Wie wichtig ist Ihnen dieses Anliegen?

Wir feiern in diesem Jahr 70 Jahre Grundgesetz: Unsere staatliche Ordnung als Leitkultur für Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz und Friedensliebe. Über 60 Jahre Patenschaft zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und Siebenbürgen. Was haben beide Ereignisse gemeinsam? Wir können mit Zuversicht in die nächsten Jahre gehen: Im Bewusstsein für die Vergangenheit gemeinsam Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Unsere Generationen - ob auf Seite der Landesregierung oder in unserer gemeinsamen Bevölkerung - treten das wichtigste Erbe an, das wir vermacht bekommen haben: Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Vor diesem Hintergrund hat Ministerpräsident Laschet einen klaren Auftrag formuliert: Jede Ministerin und jeder Minister fühlt sich dem verpflichtet. Unser Beitrag zur Stärkung unserer gemeinsamen Bande ist der gemeinsam gestaltete „Heimat-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen“.


Als Patenministerin fungiert die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen. Sie, Frau Ministerin Scharrenbach, sind in Ihrem Ressort u. a. für „Heimat“ zuständig und damit auch für die in NRW lebenden Siebenbürger Sachsen. Konnten Sie bereits nähere Kontakte zu ihnen knüpfen, etwa durch einen Besuch der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe?

Die Siedlung Drabenderhöhe habe ich zwar noch nicht besucht, aber in Baesweiler war ich im Januar 2019 zu Gast. An diesen beiden und anderen Orten in Nordrhein-Westfalen wird deutlich, mit welchem großen Engagement sich die Siebenbürger Sachsen in die Gestaltung unserer Heimat eingebracht haben und dies auch weiterhin tun.


Welche siebenbürgenspezifischen Schwerpunkte planen Sie?

Unter dem Licht des Heimat-Preises wollen wir die vielen verschiedenen Aktivitäten der Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen landesweit sichtbar werden lassen. Er soll beispielhaft für die Fortentwicklung des siebenbürgischen Heimat-Engagements in Nordrhein-Westfalen stehen und kann damit Impulsgeber für die weitere Ausgestaltung der Patenschaft sein.


Haben Sie die Herkunftsregion der Siebenbürger Sachsen schon persönlich kennengelernt?

Siebenbürgen ist garantiert eine Reise wert: Noch war ich nicht da, aber es wird sich bestimmt eine Gelegenheit finden.

„26. Mai zu einem Referendum für Europa machen“

Die Europawahl rückt näher, in Deutschland wird wie auch in Rumänien am 26. Mai gewählt. Nach aktuellen Prognosen können europafeindliche, nationalistische und rechtspopulistische Parteien mit Zugewinnen rechnen. Wie sehr besorgt Sie diese Entwicklung? Welche Aspekte sollten die Wählerinnen und Wähler bei ihrem Abstimmungsverhalten aus Ihrer Sicht besonders voranstellen?

Freier Zugang zu unseren europäischen Nachbarn, eine gemeinsame Währung oder die oft intensiv gelebten Städtepartnerschaften haben eine neue Heimat entstehen lassen: die Heimat Europa. Sie ist zugleich ein Ort des Friedens und der Sicherheit. Die Älteren mögen sich noch an die Zeit erinnern, als Krieg und Elend unseren Kontinent überzogen. Später sind sie zu Zeugen geworden, wie das große Friedensprojekt Europa gestaltet wurde: Es wurde gerungen, diskutiert und am Ende im Sinne aller gehandelt.

Für die Jüngeren dagegen sind die heute offenen Grenzen und Freizügigkeit meist selbstverständlich. Es sind Errungenschaften: Errungenschaften, die verteidigt werden wollen. Wir sollten nicht vergessen, dass sie das Ergebnis eines langen Prozesses sind, an dessen Anfang eben Krieg und Elend standen. Um Frieden und Wohlstand und Sicherheit weiterhin zu sichern, brauchen wir mehr, nicht weniger Europa. Die Wählerinnen und Wähler können die Europawahl am 26. Mai zu einem Referendum für Europa machen.


Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

Schlagwörter: Patenschaft, Nordrhein-Westfalen, Heimatministerium, Scharrenbach, Ministerpräsident, Laschet, Siebenbürgen, Drabenderhöhe, Kultur, Wissenschaft

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