1. April 2011

Druckansicht

Lesung des Mundartautors Oswald Kessler in München

Der Mundartautor Oswald Kessler war der Einladung der Leiterin des Frauenkreises München Susanna Knall gefolgt, und alle Anwesenden warteten am 2. März im Haus des Deutschen Ostens in München gespannt auf seine Lesung.
Kessler lebt seit 1990 in Deutschland und fühlt sich anfangs unnütz und umgeben von sozialer Kälte, was zu einer längeren Schreibpause führte. Erst im Sommer 1995, in seiner Heimatgemeinde Kerz, gelingt es ihm, diese mit seinem wunderschönen Gedicht „Ech bän“ zu überwinden. Er vergleicht sich mit einem irdenen Feldkrug, den keiner mehr braucht. In der Fabel „Mittagsruhe auf dem Friedhof“ beschreibt er das bizarre Begräbnis des letzten sächsischen Bewohners eines Dorfes. Tiere führen ihn zu Grabe, der Hahn „pickt“ die Predigt aus einem Buch. Ein weiteres Mal beweist Kessler sein gutes Gespür für passende Metaphern.

Oswald Kessler bei der siebenbürgisch-sächsischen ...Oswald Kessler bei der siebenbürgisch-sächsischen Kulturreferententagung im Dezember 2010 in Leitershofen bei Augsburg. Foto: Hans-Werner Schuster„Der Dronjel“ ist eine seiner „Geschichten iwer den Oult“ (Prosa), den er mit einem kräftigen, fleißigen Mann vergleicht, mit welchem nicht zu spaßen ist. Passend dazu sangen die Zuhörer gemeinsam „Um Oult, um Oult, um gielen Rien“.

Die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre führt uns Kessler in seiner Erzählung „Spännowend bei der Trengemahn“ vor Augen. Bei ihr treffen sich die armen Witwen des Dorfes, um zu spinnen, Altes und Neues zu erfahren; aber auch Aberglauben und Hexerei zeigen noch ihre Wunder. Sie sitzen bei einem Feuer und einer „Gaslampe“. Der damals fünfjährige Oswald kauert über einem zerfledderten Erdkundebuch und Träume steigen hoch. Da geht es um Flugzeuge und Schiffe, um in fremde Länder zu gelangen.

Die Zuhörer jedoch führte Kessler zurück in ihre Kindheit, in ihre Dörfer am Alt, und alle waren ihm dankbar für seine feinsinnigen und treffenden Texte. Er sollte öfter zu Wort kommen. Dank gebührt ebenfalls Helga Steilner für die bereitgestellten neuen Liedermappen.

Renate Kaiser

Schlagwörter: Lesung, Mundartautor, München

Nachricht bewerten:

16 Bewertungen: +

Neueste Kommentare

  • 04.05.2011, 19:55 Uhr von der Ijel: Um Oult um Oult um giele Rīn-- der Kessler schreiwt fuer senj Gemīn. der Oswald äs e ... [weiter]

Artikel wurde 1 mal kommentiert.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.

Schließen
Registrieren! | Passwort vergessen?
Schließen