1. März 2020

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Fremdenhass in Ditrău

Ditrău – Ein einzigartiger Fall vom Fremdenhass ereignete sich Anfang Februar in Ditrău, Kreis Harghita, einem zu fast 100 Prozent von der ungarischen Minderheit bewohnten Ort im Szeklerland. Weil die dortige Großbäckerei zwei gelernte Bäcker aus Sri Lanka eingestellt hatte, demonstrierten 300 Bewohner, angeführt vom örtlichen katholischen Pfarrer, vor dem Rathaus.
Sie befürchteten Überfremdung, Nachzug von weiteren Migranten und deren „Gewaltbereitschaft“. Rassistische Äußerungen – man wolle kein Brot, das „von schwarzen Händen geknetet“ wird – fielen. Es gab Drohungen sowohl gegen das Bäckereiunternehmen als auch gegen die Vermieterin der Gastarbeiter. Das Unternehmen erklärte die Einstellung der ausländischen Bäcker mit dem Mangel an Arbeitskräften vor Ort. Nahezu aberwitzig erscheint die Haltung der Bürger von Ditrău in Anbetracht der Tatsache, dass einige der Protestierenden in TV-Interviews angaben, selbst im Ausland zu arbeiten.

Die Bäckerei hat Anzeige gegen einige Bewohner wegen Bedrohung, Volksverhetzung und Anstiftung zum Rassenhass erstattet. Die Polizei in Harghita ermittelt. Die katholische Kirche distanzierte sich von den Aussagen des dortigen Pfarrers, „die Bibel warne davor, Fremde aufzunehmen“. Der Leiter der rumänischen Antidiskriminierungsbehörde (CNCD), Csaba Aszatolos, bezeichnete den Vorfall als Folge der Hassrhetorik der letzten Jahre, sowohl seitens rumänischer Politiker als auch jener aus Budapest, so die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien. Der liberale Politiker der ungarischen Minderheit, Peter Eckstein-Kovacs, nennt als Ursache für den Vorfall den starken Einfluss der ungarischen Medien in ­Siebenbürgen. Selbst der UDMR sei inzwischen zu einer Art Interessensvertretung von Viktor Orbáns Fidesz-Partei geworden, wird dieser von der Deutschen Welle zitiert. Die Szekler lebten kulturpolitisch in Ungarn, ihnen fehle der Bezug zu Rumänien, die große Mehrheit informiere sich „fast ausschließlich aus staatsnahen ungarischen Medien, die Viktor Orbáns ethno-nationalistische und chauvinistische Idee transportieren“, heißt es weiter. Der UDMR distanzierte sich zwar von den xenophoben Vorfällen in Ditrău – jedoch mit einigen Tagen Verzögerung, was einige Journalisten als scheinheilig bezeichneten. Die Partei hetze selbst oft gegen Rumänen und Roma, kritisiert der siebenbürgisch-ungarische Publizist Arpad Kulcsar.

NM

Schlagwörter: Rumänien, Szekler, Politik, Protest, Rassismus

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