11. November 2019

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Klaus Johannis klarer Favorit bei der Präsidentschaftswahl in Rumänien

Bukarest – Am Montag um 11.00 Uhr gab das Zentrale Wahlbüro in Bukarest die ersten offiziellen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl vom 10. November bekannt. Ausgewertet wurden bisher 95,89 Prozent aller Stimmen. Klaus Johannis liegt demnach mit 36,91 Prozent erwartungsgemäß auf Platz Eins, gefolgt von Viorica Dăncilă (PSD) mit 23,45 Prozent, Dan Barna (USR) mit 14,19 Prozent, Mircea Diaconu (ALDE/Pro Romania) mit 9,17 Prozent und Theodor Paleologu (PMP) mit 5,69 Prozent, die übrigen neun Kandidaten liegen unter fünf Prozent. Bei der Stichwahl am 24. November tritt Klaus Johannis als klarer Favorit gegen die Zweitplatzierte, die PSD-Chefin Viorica Dăncilă, an.
Klaus Johannis äußerte am Sonntagabend erfreut, noch nie hätten die rumänischen Bürger so klar gegen die PSD gestimmt. Der Siebenbürger Sachse gilt als Garant für den Rechtsstaat und die Korruptionsbekämpfung. Er will die Unabhängigkeit der Justiz wiederherstellen.

In krassem Gegensatz stand die Wahlbeteiligung im In- und Ausland: Während in Rumänien nur 8 704 144 Bürger den Urnengang durchführten – mit 47,77 Prozent die schwächste Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl seit der Wende, wählten in der Diaspora rekordmäßige fast 680 000 Rumänen bei diesmal reibungslosem Ablauf. Interessant ist auch die Differenz im Ergebnis, ausgewertet wurden von den 835 Wahllokalen im Ausland bisher 816: Von den Stimmen der Auslandsrumänen entfielen demnach 53,05 Prozent auf Klaus Johannis, 27,36 Prozent auf Dan Barna, 6,41 Prozent auf Theodor Paleologu, 3,65 Prozent auf Mircea Diaconu und nur 2,76 Prozent auf Viorica Dăncilă. Staatspräsident Klaus Johannis will sich in ...Staatspräsident Klaus Johannis will sich in seiner zweiten Amtszeit für ein "normales Rumänien" einsetzen. Foto: Rumänisches Präsidialamt (www.presidency.ro) PLUS-Leiter Dacian Cioloș kündigte an, die Allianz USR-PLUS werde für die nächste Runde voraussichtlich Klaus Johannis unterstützen, es müssten hierzu jedoch noch Diskussionen geführt werden.

Nationalistische Attacke gegen Johannis, Orban und Barna

Nur vier Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen „brillierte“ die Sozialdemokratische Partei (PSD) erneut mit einer peinlichen xenophoben Attacke, diesmal gegen alle Kandidaten mit nicht-rumänischen Namen: Johannis, Orban und Barna. Auf der Facebook-Seite der PSD Hermannstadt wurde unter dem Titel „Rumänische Namen versus ausländische. Vasile versus Johannis, Orban und Barna“, behauptet, die drei hätten sich mehrmals über Viorica Dăncilăs ersten Vornamen Vasilica lustig gemacht – was allerdings nicht belegt wird. Dabei würden unzählige rumänische Bürger beleidigt, die den Namen Vasile mit Stolz tragen. Dăncilă stünde es zu, aufgrund ihres rumänischen Vornamens die Wahl zu gewinnen. Des Weiteren wird explizit darauf hingewiesen, Dăncilă sei orthodox wie die rumänische Mehrheit. Kritisiert wird, dass die Kirchen, denen Johannis und Orban angehören, das Referendum von 2018 für die „traditionelle Familie“ nicht unterstützt hatten. Angestrebt wurde damit eine Verfassungsänderung zum Familienbegriff, der homosexuelle Paare explizit ausschließen sollte – das Referendum wurde allerdings von rund 80 Prozent aller Rumänen nicht unterstützt. Den Slogan von Johannis „Für ein normales Rumänien“ aufgreifend, hetzt die PSD Hermannstadt weiter, wie digi24.ro zitiert: „Ist es etwa NORMAL, dass die Vertreter der evangelisch-lutherischen Kirche, der der Sachse Klaus Johannis angehört, und die Vertreter der Unitarierkirche, der der ethnische Ungar Ludovic Orban angehört, öffentlich erklären, sie unterstützten nicht die normale Familie, also Mann und Frau, die traditionelle rumänische Familie, und dass die beiden PNL-Führer keine Haltung dagegen annehmen?“ „Ist Rumänien NORMAL, wenn es so weit gekommen ist, dass es von Menschen geführt wird, die nicht rumänisch fühlen, die Bräuche, Traditionen und den rumänischen Geist unserer Vorfahren nicht verstehen?“

Die nationalistische Hetze hat den Sozialdemokraten allerdings wenig genützt. Dăncilă landete beim ersten Wahlgang abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

NM


Schlagwörter: Präsidentschaftswahlen, Wahllokale, Rumänien, Klaus Johannis

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