1. März 2011

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Lesung von Ana Blandiana und Hans Bergel in Berlin

„Die Poesie ist das, was bleibt, nachdem du vergessen hast, wie du gelitten hast“, sagte Ana Blandiana einführend zur Lesung am 17. Februar in Berlin. Zusammen mit ihrem Übersetzer Hans Bergel stellte sie den Gedichtband „Die Versteigerung der Ideen“ vor, der 2009 im Johannis Reeg Verlag in Bamberg erschienen ist.
Bei der von der Deutschen Gesellschaft e.V. und dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin gemeinsam organisierten Veranstaltung hatte Alexandrina Panaite die ehrenhafte und auch schwierige Aufgabe, die beiden Schriftsteller vorzustellen: Es seien zwei Künstler und zwei besondere Menschen, die sich hier begegneten.

Hans Bergel erzählte von seiner ersten Begegnung mit einem Gedicht Blandianas, als er im Zwangsarbeitslager in Rumänien nach einem erschöpfenden Marsch nicht nur die Faust-Übersetzung Blagas sondern auch ein Gedicht Blandianas aus einer Literaturzeitschrift las, das ihn faszinierte. Er spürte die Verwandtschaft zwischen der lyrischen Sprache der beiden. Eingedenk dieser Begegnung übersetzte er später die Gedichte der Lyrikerin, um das innere Klingen dieser Sprache ebenbürtig ins Deutsche zu bringen. Die meisten Übersetzungen wären auf Autofahrten auf dem Beifahrersitz entstanden, erzählte Bergel. Was ihn fasziniert hätte, war die lapidare und geniale Einfachheit des Ausdrucks; kein Gedicht rede nur daher, jedes gebe mehr her als parfümierte Worte, sie lebten aus dem Geist der rumänischen Sprache und aus ihrer der Melodie.

In der anschließenden Lesung konnten sich die Zuhörer ganz davon überzeugen. So hieß es etwa in Apollo „komm nackt und schön – und wenn du frierst, / kleide dich mit dem engen Gewand dieser Verse“. Die von Blandiana mit Pathos und zum Teil frei vorgetragenen Gedichte wirkten im Deutschen fast streng aber nicht minder ausdrucksstark.

In der anschließenden Diskussion kam man nach einer Frage aus dem Publikum auf die aktuelle Debatte, ob es einen Widerstand in der Literatur und Kultur in Rumänien gab, zu sprechen. Dies bekräftigten beide Autoren durch ihre eigene Lebenserfahrung, Ana Blandiana durch das ihr auferlegte Publikationsverbot, Hans Bergel durch seine Gefängnisaufenthalte. A rezista heiße im Rumänischen nicht nur kämpferischen Widerstand leisten, sondern auch überleben. Und der beste Beweis sei, so Blandiana, dass die Literatur den Kommunismus überlebt habe: Sie hätte weiterhin bestanden und einen Freiraum geboten, während das Regime untergegangen sei.

Edith Ottschofski

Schlagwörter: Lesung, Lyrik, Berlin, Bergel

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