12. Oktober 2017

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Kreisgruppe Bonn: Tag der Heimat

Heimat“, so meinte einmal die Journalistin Petra Reski, selbst Tochter von Vertriebenen, „Heimat ist ein überwundenes Relikt aus trüber Vergangenheit, und ich bin froh, mit so etwas nicht geschlagen zu sein!“. Heute bekennt auch sie: „Für meine Familie war es Heimat, für mich Ideologie. [...] und die Ideologie verbot mir zu denken, dass die Flüchtlinge für den verlorenen Krieg einen höheren Preis hatten bezahlen müssen als andere Deutsche.“ Viele Flüchtlinge und Vertriebene sahen sich von der westdeutschen Gesellschaft der 1970er und 1980er Jahre allein gelassen. Man hatte kaum Verständnis für sie, ihr Heimatverlust wurde weitgehend als Kollektivbestrafung für die begangenen Kriegsverbrechen akzeptiert. Und die – meist jungen – Menschen, die so sprachen, kamen sich sehr gut vor. Heute erkennt man: Die Empathie mit den Opfern der Deutschen darf die Empathie mit den deutschen Opfern keineswegs ausschließen. Man hat also gelernt – und heute „darf“ man sich erinnern.
Der „Tag der Heimat“ ist ein Gedenktag, der in der Bundesrepublik Deutschland jährlich begangen wird. Er geht zurück auf die Kundgebung in Stuttgart am 6. August 1950, bei der die Charta der deutschen Heimatvertriebenen, ein Bekenntnis zur Versöhnung und für Europa, verkündet wurde. Seither findet meistens am ersten Sonntag im September eine zentrale Auftaktveranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) zum „Tag der Heimat“ in Berlin statt. In den folgenden Wochen organisieren zahlreiche Regionalverbände des BdV weitere Veranstaltungen. In mehreren Bundesländern werden die öffentlichen Gebäude beflaggt. Das Motto des diesjährigen Festtages lautet: „60 Jahre Einsatz für Heimat, Menschenrechte und Verständigung“.

Der Kreisverband Bonn des BdV hatte alle ortsansässigen Landsmannschaften aufgerufen, wieder den hier üblichen „Ostdeutschen Markttag“ zu gestalten. Auf dieser bundesweit einzigartigen Veranstaltung präsentieren die verschiedenen Kreisgruppen sich und die alte Heimat. Nach der Auftaktveranstaltung am 6. September in der Stadthalle Bad Godesberg folgte ein ökumenischer Gottesdienst am 16. September in der Bonner Stiftskirche. Am Sonntag, dem 17. September, hatten die Mitglieder der verschiedenen Kreisgruppen ihre Marktstände auf dem Münsterplatz aufgebaut. Um 11.00 Uhr erfolgte der feierliche Einzug der Fahnenträger, aufgerufen durch den Vertreter der Baltendeutschen, den Publizisten Elimar Schubbe. Prominenter Besuch am Stand der Kreisgruppe Bonn, ...Prominenter Besuch am Stand der Kreisgruppe Bonn, von links: Der Vizepräsident des BdV, Stephan Rauhut, die Bonner Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller (SPD), Julius Wegmeth (Vorstand Kreisgruppe Bonn), Ex-MdL Bernhard von Grünberg (SPD) und Johannes Hendel (Vorstand Kreisgruppe Bonn). Foto: p.z. Der Vizepräsident des BdV, Stephan Rauhut, erläuterte in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Heimattages, fand dabei kluge, gegenwartsbezogene Worte zum Motto und benannte die Beiträge der Kreisgruppen zum politischen, kulturellen und geselligen Leben in der Stadt. Die Bonner Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller betonte, dass die Vertriebenen sehr gut wüssten, was es bedeutet die Heimat zu verlieren, zog Parallelen zur heutigen Flüchtlingssituation und endete: „Die Präsentation dieser landsmannschaftlichen Kultur dient aber nicht der Abgrenzung und Demonstration des Andersseins, sondern ist als Öffnung und Angebot an alle Bonner zu verstehen!“

Die Landsmannschaften versuchten, alle Interessierten mit der Geschichte, aber auch mit der Gegenwart und den Zukunftsmöglichkeiten ihrer Herkunftsgebiete bekanntzumachen. Da gab es Stellwände mit Bildern und Karten und es wurden Bücher, Broschüren und Bildbände angeboten. Für manche Besucher war der Markttag eine Reise in die Vergangenheit, wobei sich die Landsmannschaften gleichwohl bunt und vital präsentierten. Es gab Trachten, Kunsthandwerk und Keramik zu bestaunen, es wurden Lieder, Gedichte und Prosa aus den unterschiedlichsten ehemals ostdeutschen Provinzen vorgetragen und einen ansehnlichen Raum nahmen auch die kulinarischen Grüße aus der Heimat ein. Die „Brückenberger Trachtengruppe“ und der „Fröhliche Kreis“ Bergisch Gladbach zeigten schlesische Volkstänze und das Oberschlesische Blasorchester aus Ratingen unterhielt die Gäste mit flotten Melodien. Wir hatten Verstärkung von den Freunden aus Wuppertal bekommen, deren Tanzgruppe in den siebenbürgischen Trachten schon vor dem Auftritt sehr bewundert wurde. Sie mussten nach ihrem umjubelten Auftritt Zugaben bieten.

Von 11.00 bis 17.00 Uhr flanierten neugierige Bonner und Touristen längs der Stände. Unser Siebenbürgen-Stand war ständig dicht umlagert. An Stellwänden und Roll-ups zeigten großformatige Abbildungen Landkarten, unsere Kirchenburgen und Trachten und auf den Tischen lagen Bücher über Siebenbürgen, Keramik und Stickereien aus. Wir gaben Auskunft über Siebenbürgen, unsere deutschen Schulen und über den Baumstriezel, denn wir boten ja heimische Spezialitäten an: Es gab auch Hanklich und Nussstrudel, siebenbürgisches Kleingebäck, „gebroden Wurscht“ mit Bauernbrot, vielgefragtes „Fettbrot mit Zwiebel“, echten siebenbürgischen Pali und Kokelwein.

Den Helfern aus unserer Kreisgruppe sei hier für die geleistete Arbeit herzlich gedankt. Sie haben alles getan, um uns würdig zu repräsentieren und, und trugen zum guten Gelingen des Tages bei.

p.z.

Online-Bildergalerie "Tag der Heimat in Bonn"

Schlagwörter: Bonn, Tag der Heimat, BdV

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