31. Mai 2001

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Hans Meschendörfer: Der Name Siebenbürger in Europa

Auf der 35. Jahrestagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) 1997 in Wien hielt Hans Meschendörfer einen vielbeachteten Vortrag über den Namen „Siebenbürger“. Das Thema war sinnvoll integriert in das Tagungsprogramm „Siebenbürgen in der Habsburger Monarchie vom Leopoldinum bis zum Ausgleich“ (der gleichnamige Tagungsband ist als Band 34 in der Reihe „Siebenbürgisches Archiv“ 1999 erschienen). Seine damaligen Ausführungen hat der Autor danach beträchtlich ausgeweitet und konnte dabei noch unerwartet viele Details zu seinem Thema zusammentragen und zum Manuskript eines Buches ausweiten, das allerdings nach seinem unerwarteten Tode im letzten Jahr in den Druck gehen konnte. Es ist ein exemplarischer Beitrag zur Herkunftsnamen-Forschung, der zugleich einen Blick in die Geschichte der frühen Migration gibt, wie der Untertitel des Bandes anzeigt.
Ein Herkunftsname hat sich als Kennzeichnungen dann herausgebildet, wenn ein „Fremder“ in einen Ort zuwanderte. Auf diese Weise sind zu den Zeiten, als die Familiennamen sich noch nicht definitiv festgesetzt hatten, schließlich endgültige Nachnamen entstanden. Meschendörfer wendet sich eingangs dieser Frage zu, um sich dann speziell mit dem Herkunftsnamen „Siebenbürger“ zu befassen (Seiten 1-9).
Es werden mehrere „Siebenbürger“-Familien bzw. -Personen in den verschiedensten Ländern und Regionen nachgewiesen. Viele fand der Verfasser in Wien, aber auch in den österreichischen Ländern Salzburg, Steiermark, Kärnten, Niederösterreich, andere in Bayern (Niederbayern), vereinzelt in deutschen Städten sowie in Italien und der Schweiz (Seite 12). Sogar im Burzenland, das früher nicht zum eigentlichen Siebenbürgen gezählt wurde, kam der Name vor. In dem durchschaubar gegliederten Inhaltsverzeichnis und im Ortsregister wird die Übersicht über die regionale Verbreitung des Namens erleichtert und dadurch Ansätze für Nachforschungen geliefert. Vom Autor werden ausgesprochen spannende, ungeahnte Erkenntnisse über die Verbreitung des Namens unserer Heimatlandschaft Siebenbürgen vermittelt.
In einem eigenen Kapitel behandelt Meschendörfer „die Bayerischen Siebenbürger“ (Seiten 10-13) und liefert die überraschende Information, dass der niederbayerische Markt Siegenburg, der zeitweise Siebenburg hieß, namengebend für dortige Geschlechter „Sybenburger“ war.
Der Verfasser hat keine Mühe gescheut, mehrere herausragende „Siebenbürger“-Persönlichkeiten eingehend zu beschreiben. Darunter waren Studenten der Wiener und anderer Universitäten, Gelehrte, Künstler, Diplomaten, Goldschmiede, Kaufleute, frühe Hausbesitzer in Wien usw., die in historisch nachweisbaren Positionen standen. Bei der Ausstattung des Bandes mit informativen Illustrationen, hat der Buchfachmann Meschendörfer u.a. ein Prachttitelblatt des 1472 in Mantua erschienenen Druckes des aus Hermannstadt stammenden Siebenbürgers „Thomas Septem Castrensis de Civitate Hermanni“ vorgelegt. Ein eigenes Kapitel handelt von berühmten Vertretern siebenbürgischer Goldschmiedekunst, unter ihnen über „Thoman Gerharten, den man auch nennet Siebenbürger“, der es zu hohem Ansehen brachte und ein treuer Anhänger Kaiser Friedrichs III. war (Seiten 30-38). Dem bedeutenden „Maximilianus Transilvanus“, dem kaiserlichen Sekretär, Diplomaten und Humanisten, hat der Autor eine ausführliche, biografische Darstellung gewidmet (Seiten 66-78).
Anschließend behandelt Meschendörfer den „hervorragendsten und streitbarsten praktischen Juristen der damaligen Zeit“, Dr. Martin Siebenbürger, der, um 1475 als Capinius in Hermannstadt geboren, 1521 Bürgermeister von Wien war und „als Vorkämpfer für die Freiheit Wiens und die Rechte der Stände Österreichs gegen Fürstenwillkür“ 1522 enthauptet worden ist. Am Wiener Rathaus gibt eine eindrucksvolle Gedenktafel davon Kunde (Seiten 79-95).
Im Schlusskapitel berichtet der Verfasser über eine berühmte „Siebenbürger“-Familie in Kärnten, deren Spuren in Kirchen, Schlössern und im Wappensaal des Landeshauses in Klagenfurt sowie in Villach und Spittal zu finden sind.
Hans Meschendörfer war ein erfolgreicher und zuverlässiger Mitarbeiter im Kollegenkreise der Sektion Genealogie des AKSL. Ihm verdankt die siebenbürgische Familienforschung manchen gediegenen Beitrag und wertvolle Anregungen. Wie etliche andere Nachlass-Teile aus seiner umfangreichen Sammlertätigkeit, sollen in Zukunft weitere „Siebenbürger“-Namenfundorte im Siebenbürgen-Institut (Schloss Horneck, D-74831 Gundelsheim) gesammelt werden. Hier haben künftige Bearbeiter die besten Möglichkeiten für weitere Ausgangsrecherchen.
Meschendörfers Buch wird erstmals zu Pfingsten beim Heimattreffen in Dinkelsbühl vorgestellt und zum Kauf angeboten.

Balduin Herter


Hans Meschendörfer: Siebenbürger. Der Name und seine Träger in Europa vom 13. bis 17. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Herkunftsnamen-Forschung, zur Geschichte der frühen Migration und Integration sowie zur Dokumentation der Siebenbürger. Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde Heidelberg / hora Verlag, Hermannstadt 2001. VIII + 139 Seiten mit 17 Abbildungen. 39 DM, für Mitglieder des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) 29 DM; ISBN 3-929848-22-8.
Siebenbürger - Der Name und seine Träger in Europa vom 13. bis 17. Jh.
Hans Meschendörfer
Siebenbürger - Der Name und seine Träger in Europa vom 13. bis 17. Jh.

AKSL / hora, Heidelberg / Hermannstadt
broschiert/Fadenheftung
139 Seiten
EUR 9,00 (+ Versandkosten)
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