Erlauschtes aus Tartlau - Kleine Schmunzelgeschichten

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Erstellt am 13.09.2014, 23:16 Uhr und am 13.09.2014, 23:18 Uhr geändert.
Diese kleinen Schmunzelgeschichten sind aus dem Tartlauer Volksmund aufgegriffen und haben früher, als es noch kein Radio oder Fernsehen gab, manche Heiterkeit ausgelöst, besonders beim Kukuruzschälen.
Mögen sie es auch heute noch bewirken. Einige Namen sind geändert. Man möge mir verzeihen.

Erinnerungen von Katharina Roser geb. Hellmann, geboren * 9.6.1916 in Tartlau.
www.siebenbuerger.de/ortschaften/tartlau/

Als der Misch freien ging
Es war zu jener Zeit nicht so einfach, ein Mädchen zu freien, besonders wenn man sich nur vom sehen kannte und sonst ziemlich scheu war, sich ihr zu nähern. Es kostete schon Überwindung, den Eltern der Begehrten gegenüber zu treten und um ihre Hand zu bitten. Nun hatte sich aber der Misch ein Herz gefaßt und klopfte an einem Abend an der Haustür des Mädchens. Wie es sich gehört, ließ man ihn eintreten und Platz nehmen. Nun saß er da. Auf dem Weg hierher hatte er sich schöne und passende Worte zurecht gelegt, die er jetzt, wo er sie hervorbringen sollte, nicht mehr fand. Sie waren ihm völlig entfallen. So saß er nun verlegen auf der Truhe, rutschte hin und her, drehte seinen Hut über dem Handgelenk, als ob’s ein Kreisel wär, und stieß dann hervor: „Em sel – em sel em sel dien pradijen lassen, die et geliert huot, bekun ech na Ihr Dochter oder bekun ech se nätch?!„
(„Man sollte – man sollte, man sollte den predigen lassen, der es gelernt hat, bekomm‘ ich nun Ihre Tochter oder bekomm‘ ich sie nicht?!!)
Erstellt am 14.09.2014, 12:36 Uhr und am 14.09.2014, 12:36 Uhr geändert.
Der Herr Doktor
Es war einmal ein rumänischer Arzt in Tartlau, der von der Bevölkerung sehr geschätzt wurde. Nur mit der deutschen Sprache haperte es bei ihm. So kam es, daß ein altes sächsisches Mütterchen, die aber kein einziges Wort rumänisch verstand, zu ihm kam und ihm alle ihre Wehwehchen offenbarte. Ach, die Arme hatte es im Kreuz und in den Füßen, konnte kaum mehr laufen und auch sonst war manches nicht in Ordnung.
Der Doktor untersuchte sie gründlich und lang, verschrieb ihr Arznei und sagte dann zu ihr: „Müssen stehen drei Tage in Bett, dann werden wieder alles gut.„ (stai 3 zile in Pat) –
Entrüstet kam die Frau nach Hause und meinte zur Nachbarin: „Stall der vor Annschen, der Doktor huot gesaut, ech sel ant Bät stauen, - wie sul ech dut no machen, dau ech mech scher nätch mieh af den Foißen hualden kon.„
(„Stell Dir vor, Annchen, der Doktor hat gesagt, ich soll ins Bett stehen, - wie soll ich das nur machen, da ich mich schier nicht mehr auf den Füßen halten kann“.)
Erstellt am 14.09.2014, 13:02 Uhr
@ Habe diese heitere vielleicht wahre Geschichte Seinem Enkel zugeschickt,mal schauen ob er sie kennt.
So klein ist die Welt,wenn man kombinieren kann.
Erstellt am 17.09.2014, 23:37 Uhr und am 17.09.2014, 23:38 Uhr geändert.
@gerri: das freut mich sehr.
Der alte Herr Bruckner pflegte zu sagen: "Die Siebenbürger Sachsen sind vor allem eins - verwandt."

Die Wahrsagerin
Trotz aller christlichen Gläubigkeit hielten es manche Tartlauer auch mit dem Aberglauben. So war es, daß eine schon ältere Bauersfrau täglich ihre Schar Gänse in der Frühe auf die Gasse ließ, wo sie im Gras Futter fanden und dann in den nahen Bach watschelten. Von dort kamen sie meistens erst am Abend im Gänseschritt wieder zurück. Dies Bild war jedem bekannt und man war es so gewohnt. Doch eines Abends, es ging auf den Martinstag zu, blieb das Geschnatter aus und die Gänse kamen nicht. Die Frau ging die Gasse auf und ab und suchte ihre Gänse. Sie rief vergeblich ihr – libi –libi – li – sie blieben verschwunden. – Da gab es eine alte Wahrsagerin in Tartlau, die konnte Karten legen. Sie war Ungarin, sprach aber schlecht und recht sächsisch. Zu ihr kam nun die Frau, zahlte ihre Gebühr und ließ sich die Karten legen. Aber bei jeder Karte wurde ihre Miene düsterer und schließlich sagte sie, auf die Gänse bezogen: „ech kon nor sauen, et as alles spuorz – sekt et nor get, way Bachen, way Guorten, oder der licht Blauch huot et alles fräßen.„ („Ich kann nur sagen, es ist alles schwarz – sucht nur gut, entweder im Bach oder im Garten, oder schlimme Zigeuner hat alle gefressen“.)
Erstellt am 23.09.2014, 06:09 Uhr
Der Miertebuatscha war ein Bauer von echter Tartlauer Art. Beliebt, geschätzt und geachtet. Jahrzehntelang bestellte er seine Felder mit dem Ochsengespann. Und seine Felder konnten sich sehen lassen. Es war beschaulich, wenn er neben seinen Ochsen einherging. Er strahlte eine gewisse Gemütlichkeit aus, als würden sie zusammen gehören. Nun, da er schon betagt war, übergab er seine Landwirtschaft seinem Sohn. Dieser, eine Generation jünger und moderner, verkaufte aber bald darauf die Ochsen und schaffte sich Pferde an, die viel schneller waren. Der Miertebuatscha konnte das nicht verstehen, denn er war immer gut zurecht gekommen mit seinen Ochsen. Von Schnelligkeit wollte er nicht viel wissen. Aber eines Tages schaffte sich der Sohn auch einen Traktor an, mit dem er nun noch schneller war. Die Meinung des Alten dazu war nur kurz : „Et as ja alles get uch fenj, schnäl as e, Kraft huot e , furzen uch steinken kon e och - awer sch...ßen sel e kannen, dann mer brechn doch den Mast.“- („Es ist ja alles gut und fein – schnell ist er, Kraft hat er, furzen und stinken kann er auch – aber sch...ßen sollte er können, denn wir brauchen doch den Mist“.)

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